Dieser Artikel von René auf MobiFlip.de hat mich dazu veranlasst, mal genauer darüber nachzudenken, warum in der Handywelt immer nur das iPhone als Referenzgerät hergenommen wird. Was macht die Faszination iPhone aus? Warum vergleicht jeder, der meint ein Handy mit einem anderen vergleichen zu müssen, er muss das iPhone als Referenz nehmen?
Am 29. Juni 2007 kam das erste iPhone in den USA auf den Markt. Die Leute standen Schlange, um ein Handy zu bekommen, das durchaus nicht mit damals aktuellen Geräten vergleichbar war – und das ist nicht positiv gemeint. Es konnte keine MMS verschicken, hatte trotz der Haupteigenschaft Internet kein UMTS Modul, die 2MP Kamera kam ohne Fotolicht und glänzte auch sonst nicht mit ihrer Bildqualität, Multitasking gab es auch nicht und von einem AppStore war noch keine Rede. Dafür gab es teure Verträge, ein teures Gerät und die Gewissheit, das Handy nur in einem bestimmten Netz benutzen zu können. Dennoch verkaufte sich schon das “original” iPhone wie warme Semmeln. Eine nicht zu unterschätzende Mitschuld daran trägt sicher die Marketingabteilung von Apple, die gekonnt selbstverständliche Features als neu und bahnbrechend darstellen kann. Gemischt mit einer spektakulären Keynote von Steve Jobs und einer recht aktiven Apple Fangemeinde, MUSSTE sich das Gerät verkaufen. Promis wurden mit iPhones versorgt und präsentierten diese bereitwillig in der Öffentlichkeit. Man konnte also mit einem Handyvertrag und Zahlung eines nicht gerade geringen Betrages in diese Glitzerwelt einsteigen.
Schnell wurden dann aber auch Stimmen laut, dass das iPhone gar nicht so toll ist, wie immer behauptet wird. Apple legte ein Jahr später nach, mit dem iPhone 3G. Immer noch kein Multitasking, dafür aber GPS und UMTS Modul an Bord. Das sollte reichen, um die bösen Kritiker verstummen zu lassen. Außerdem wurde das Herzstück des iPhones, das Betriebssystem aufgebohrt, so dass MMS (nutzt die überhaupt jemand?) möglich waren. Als dann im Juli 2008 der AppStore an den Start ging, ging ein Ruck durch die Handywelt. Bereits zum Start gab es 500 Programme, teils kostenlos, teils zu, für Handysoftware ungewohnten, niedrigen Preisen. Plötzlich konnte das iPhone, das Überphone soviel mehr als andere Handys. Sicher? Nein. Nokia hat mit seinem Symbian Betriebssystem seit Jahren ein System, auf dem sich hochwertige Software installieren lässt. Das Problem daran, Symbian ist zu kompliziert, sowohl für die Programmierer, als auch für den Anwender. Die Geräte sind auf Grund des Betriebssystems zu langsam, reagieren nicht so geschmeidig wie ein iPhone, lassen sich auch nicht so intuitiv bedienen. Was ist mit Windows Mobile? Ebenfalls ein Betriebssystem, welches sich mit Zusatzprogrammen aufhübschen lässt und zusätzliche Features bringt. Aber auch hier gilt, zu kompliziert, zu unmodern.
Es dauerte nicht lange, da waren die ersten Softwarekracher für das iPhone und den iPod Touch verfügbar und das Handy wurde mehr und mehr zum Unterhaltungsterminal. Internet, MP3 Player und Spielekonsole in einem. Da verschmerzt man auch die schlechte Kamera, da man ja sowieso seine Digicam dabei hat, wenn man mal was fotografieren möchte. Der AppStore mit seinen 100.000 verfügbaren Programmen ist auch noch heute das Zugpferd für das iPhone. Der Begriff Apps wurde populär und nun will jeder ein Stück vom großen Softwarekuchen abhaben. Selbst RIM, wohl nach wie vor der Marktführer im Bereich Businesshandys (Einschätzung von mir, kann genausogut sein, dass sie kurz vorm Bankrott stehen), bewirbt seine Handys plöltzlich mit hochauflösenden Spielen anstatt mit seinem genialen Email Service. Google versucht mit dem Android Market sein Glück, Nokia hat den OviStore ins Leben gerufen. Allerdings hat dabei wohl kaum jemand bedacht, dass die Kundschaft auch bereit sein muss, für Content zu zahlen. Apple Nutzer sind dies gewohnt, ist man doch seit Jahren an iTunes gebunden. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor ist auch die Einfachheit einer Zusatzinstallation. Hier mal ein kurzer Vergleich:
iPhone: AppStore aufrufen, Programm auswählen, iTunes Kennwort eingeben, fertig.
Nokia: OviStore aufrufen, Programm auswählen, Login eingeben, irgendiwe die Bezahlung regeln, runterladen, installieren, OviStore wieder schliessen, fertig.
Es ist nach wie vor so, dass gerade bei Nokia, es einfacher ist, sich irgendwo eine gecrackte Version eines Programms runterzuladen, als diese legal zu erwerben. Und das sollte normalerweise nicht der Fall sein dürfen. Programm googlen, runterladen, installieren, nutzen. So dürfte der typische Nokia Nutzer vorgehen. Warum sollte er es auch komplizierter machen und dafür auch noch zahlen? Apps sind nicht zwangsläufig ein Garant für Verkäufe, insbesondere wenn diese nicht entsprechend präsentiert werden.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Die Art und Weise, wie Apple das iPhone darstellt, die Eigenschaften hervorhebt und die Einfachheit der Bedienung sind meiner Meinung nach das, womit sich die anderen messen müssen. Google ist mit Android auf dem besten Weg, da ranzukommen und die Vorstellung des Nexus One heute (05.01.2010) wird ihren Teil dazu beitragen. Nokia hat schwer zu kämpfen und versucht nun mit Maemo ein neues System im High-End Bereich zu platzieren, ob dies gelingt ist fraglich, man kann es nur hoffen und Nokia viel Glück wünschen. Motorola setzt ebenfalls auf Android und ist gut darin beraten, dies auch beizubehalten, das Motorola Milestone ist auch als solchiges zu betrachten. Und hier kristallisiert sich nun auch heraus, warum alle Handys mit dem iPhone verglichen werden. Weil sie versuchen, dieses zu imitieren. Apple macht was vor, alle anderen rennen hinterher und versuchen das gleiche, anstatt auf Innovation zu setzen. Warum ist der Anteil der Touchscreenhandys auf dem Markt so drastisch gestiegen? Weil Apple es vorgemacht hat. Warum gibt es plötzlich für jedes Betriebssystem einen eigenen AppStore? Weil Apple es vorgemacht hat. Doch leider ist eine Kopie nie so gut wie das Original. Solange es keiner schafft, etwas neues, bahnbrechendes zu erschaffen (was zu diesem Zeitpunkt nicht denkbar ist), werden die Vergleiche nicht aufhören. Apple hat mit dem iPhone ein Feature geschaffen, welches anscheinend sehr schwer nachzumachen ist: Die Einfachheit. Jeder kann ein iPhone bedienen, ohne jemals eines in der Hand gehabt zu haben. Jeder schafft es, Software aus dem AppStore zu kaufen, ohne jemals zuvor etwas “heruntergeladen” zu haben. Wie stellt man das iPhone lautlos? Richtig, ein Kippschalter an der Seite des Gerätes wird umgelegt. Wie stelle ich ein N97 lautlos (Symbian)? Richtig, entweder drücke ich den Auschschaltknopf kurz und wähle dann ein Profil aus, welches ich vorher hoffentlich so bearbeitet habe, dass es wirklich lautlos ist, oder ich geh ins Menü, suche den punkt Profile, wähle das passende und aktiviere es. Ganz schön kompliziert und zeitaufwendig für ein Feature, das zumindest ich mehrmals täglich nutze. Und so zieht sich das durch das ganze System.
Die iPhone Brille, von der im oben genannten Artikel gesprochen wird, sind nicht die technischen Merkmale des iPhones, es ist auch nicht ein oder mehrere Killerfeatures, die kein anderer hat. Es ist das Komplettpaket, welches dem Durchschnittsuser auf eine mitunter genial einfache Weise am technischen Fortschritt teilhaben lässt. Da macht es auch nichts, wenn das iPhone eben nicht auf aktuellem technischen Stand ist. Wozu auch?







Sehe ich ganz genauso. Hatte vorher ein Samsung I8910. Tolle Kamera, toller Bildschirm aber umständliche Bedienung und lahmer Browser. Dann hat mir ein Kollege ein iPhone aus Italien mitgebracht. Erst war ich etwas enttäuscht, weil mir im Vergleich ein paar Features fehlten. Bei der Arbeit mit dem iPhone habe ich dann aber festgestellt, wie gut das alles funktioniert und wie rund das ‘Paket’ ist und jetzt möchte ich es nicht mehr missen.
Für die nächste iPhone-Version würde ich mir nur eine bessere Kamera (Blitz) und die Möglichkeit wünschen, von einer Anwendung (z.B. iTunes), die von einer anderen Anwendung (z.B. iPod) aufgerufen wurde, wieder zurück zur aufrufenden Anwendungen springen zu können (Zurück-Button), ohne händisch über das Menü gehen zu müssen.